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Ich hätte auch gleich nach dem Spiel schon etwas schreiben können, aber das wäre wahrscheinlich in wüsten Beschimpfungen geendet. Manchmal soll es ja helfen, wenn man eine Nacht drüber schläft. Nun, mein Ärger ist zwar leicht abgeebbt, aber wirklich beruhigt habe ich mich noch nicht.

Die Anfahrt zum Stadion in Ehrenfeld war schon eine kleinere Odyssee. Verständlicherweise hat eine Sportanlage in den Kölner Randbezirken keine ausreichenden Parkgelegenheiten und deshalb kam ich auch erst kurz nach Anpfiff auf das idyllisch gelegene Gelände des SC West im Kölner Nordwesten. Aber immerhin noch rechtzeitig, um den Führungstreffer der in blau-weiß spielenden Gastgeber mitzubekommen. Schöner Einstieg. Der Treffer fiel in dem mir gegenüberliegenden Tor, deswegen konnte ich nicht genau erkennen, was das alles schiefgelaufen war, aber wirklich souverän sah die Abwehrleistung der Fortuna nicht aus.Der Block der Supporter wurde auf einmal auch ziemlich ruhig, fing sich im Verlauf des Spiels aber wieder.

Fortuna fand meiner Meinung nach überhaupt nicht ins Spiel. Stockfehler, Fehlpässe, ständige Versuche eine vielbeinige und im Zentrum massive Abwehr mit Anspielen in die Tiefe zu druchbrechen scheiterten quasi im Minutentakt. Wirklich zwingende Torchancen sprangen nicht heraus, und wenn dann doch einmal jemand vor dem Tor der Ehrenfelder auftauchte, dann machte der wirklich glänzend aufgelegte Torhüter des SC West die Gelegenheit zunichte. West zog sich nach dem Führungstreffer verständlicherweise völlig zurück und überließ den Gästen das Spiel. Bis zu Halbzeit änderte sich allerdings nichts am Ergebnis.

Auch nach der Pause schien die Fortuna sich überhaupt nicht im Klaren zu sein, was da auf dem Spiel stand. Es ging ja immerhin um den Einzug in die nächste Runde des Pokalwettbewerbs. Da darf ich als Fan auch mal ein bißchen mehr Einsatz erwarten. Stattdessen wurde weiterhin das Florett benutzt, wenn ein Säbel angebracht gewesen wäre. Gegen Mitte der zweiten Halbzeit schien die Mannschaft dann doch langsam aufzuwachen und kam durch Frank Schroden zum Ausgleichstreffer, der aufgrund der Spielanteile sicher verdient war, aber dennoch auf mich eher zufällig wirkte. Fortuna bekam nach dem Tor das Spiel besser in den Griff und erarbeitete sich weitere Chancen, die allerdings ungenutzt blieben. Dafür wurde das Spiel etwas ruppiger, was auch an der etwas zerfahrenen Spielführung des Schiedsrichters lag, der für meine Begriffe nicht immer auf der Höhe des Geschehens war. Bis zur 90. Minute änderte sich am Spielstand nichts mehr und so ging es in die Verlängerung.

Wer nun erwartet hatte, das der Landesligist vielleicht konditionell abbauen und so der Fortuna einen kleinen Vorteil verschaffen würde sah sich getäuscht. Es blieb beim gewohnten Bild. Fortuna drückte ohne ein klares Konzept, West beschränkte sich auf hohe und weite Befreiungsschläge und hoffte so einen Stürmer zu finden, der vielleicht zu einer Chance kommen könnte. Mit fortschreitender Dauer der Verlängerung nivellierten sich die Spielanteile immer mehr. West konnte das Spiel überraschenderweise ausgeglichener gestalten und Fortuna fiel weiterhin herzlich wenig ein. Zwar war mit der Einwechselung von Felix Bably schon in der zweiten Halbzeit der regulären Spielzeit etwas mehr Tempo in die Partie gekommen, aber wirklich zwingend waren die Aktionen nicht. Kevin Kruth mühte sich vorne, aber schon gegen Ende der ersten 90 Minuten war zu erkennen, daß es mit der Kraft nicht mehr zu reichen schien. Es war also nur folgerichtig, daß es auch nach 120 Minuten noch unentschieden stand und das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen mußte.

Wenn ich mich recht erinnere, war dies das erste Elfmeterschießen, welches ich live in einem Stadion mitverfolgen mußte und ich hätte mir wahrlich eines gewünscht, welches einen positiveren Ausgang genommen hätte. So aber kam es, wie es sich Underdogs und Fußballromantiker wünschen. Der kleine, niederklassigere Verein zwingt den großen Favoriten in die Knie und zieht in die nächste Runde ein. Und das - ja, gebe ich natürlich zu - nicht wirklich unverdient. Fortuna ließ alles vermissen, was die Mannschaft in der zweiten Hälfte des letzten Heimspiels gegen Schermbeck gezeigt hatte. Und das lag sicher nicht daran, daß man auf ungewohntem Untergrund gespielt hatte. Klar, Asche ist Mist, aber ich kann nicht so auftreten. Liebe Leute, das war ein Landesligist, zwei Klassen schlechter. Da kann ich nicht klein-klein spielen, da muß ich dominieren. Und bei den eklatanten Kopfballschwächen, welche die Hintermannschaft des Gastgebers offenbarte, darf ich auch gerne mal über die Flügel spielen.Und nicht ständig filigran durch die Mitte.

Darüber wird zu reden sein und hoffentlich nimmt die Einstellung jetzt keinen Schaden und es gibt einen Knick für die anstehenden Spiele in der NRW-Liga. Der Großteil der angeblich 1.300 Zuschauer (die Zahl kommt mir extrem hoch vor) jedenfalls wird wahrscheinlich bis in die frühen Morgenstunden die Ehrenfelder Kneipen unsicher gemacht haben und noch in den kommenden Jahren von der heldenhaften Mannschaft erzählen, die den großen Favoriten aus der Südstadt in die Knie zwang.

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